Messen und Überprüfen

Wir haben uns das letzte Mal über StoryPoints unterhalten um eine Grundlage für das Messen und Überprüfen zu haben. Worum es heute geht.

Massband

Wie machst Du Deinen Fortschritt transparent?

Messen und Überprüfen ist dabei der zweite Baustein für Empirie und somit die Grundlage für agiles Vorgehen im komplexen Bereich.

Wozu machen wir das?

Henry Schneider misst sehr gern um herauszufinden ob er auf dem richtigen Weg ist. Schafft er das, was er erreichen möchte.

Genauso ist Messen wichtig um festzustellen ob die gemachten Experimente positive oder negative Auswirkungen haben. Dies ist vor allem im komplexen Umfeld enorm wichtig, da wir hier Ursache und Wirkung nicht genau im Vorfeld bestimmen können. Deshalb ist es ja komplex.

Bei Manchen Dingen haben wir ein Bauchgefühl, wie es werden könnte. Doch woran bestimmen wir es dann genau?

Beispielsweise Fluktuation von Mitarbeitern. Ich denke mal, dass sich viele vorstellen können, dass es nicht gut ist. Wie machst Du das nun mit objektiven Zahlen oder Messungen anderen transparent? Wie teuer ist es z.B. wirklich? Wir an der Znip Academy können das, weil wir uns im Vorfeld darüber Gedanken machen, was wertvoll zu messen ist. Auch Du darfst Dir dementsprechend vorher Gedanken machen. Hinterher ist es nicht mehr so leicht und objektiv, da Messdaten fehlen. Gleichzeitig sollten wir nicht zu viel messen und überprüfen.

Die vier Horrorszenarien

Janina Alisa Wohlert hat vier Horrorszenarien fürs Messen gesammelt, die Du bestimmt auch kennst.

Messdschungel

Projekte die den Anspruch haben hochprofessionell zu sein und hohen Qualitätsstandards zu genügen oder wo keine Fehler passieren sollten neigen zu einem wilden Messdschungel.

Viele Affen schwirren wild über die Bäume und tragen irgendwelche Zahlen zusammen. Tiger stolzieren durch diesen Dschungel und gucken wie die Zahlen zusammenpassen. Manchmal passen sie nicht und werden laut.

Gefühlt ist das gesamte Projekt nur mit Zahlen und Messungen beschäftigt, während kaum noch jemand am eigentlichen Produkt arbeitet.

Im Wilden Messdschungel geht es primär um die Erreichung guter Zahlen, statt Projektziele. Wir erleben daher viel SNAFU.

Kennst Du auch diese Verführung, einfach viel zu viele verschiedene Dinge zu messen?

Dabei gibt es auch zwei passende Glaubenssätze, die Du einmal für Dich überprüfen kannst.

Das was gemessen wird, das wird auch erreicht.

Was ich messe ist wahr.

Oft verlassen sich dann Menschen nur darauf, was die Zahlen sagen. Darin steckt eine gewisse Gefahr.

Schau Dir auf jeden Fall das Kosten/Nutzen Verhältnis zu Deiner Messung an.

Der Blindflug

Wie ist es mit Projekten wo gar nix gemessen wird? Also dem Gegenteil zum wilden Messdschungel.

Es gibt keine Ahnung, wo das Projekt geradesteht, ob es Fortschritt in eine Richtung macht oder ob erreicht wird, was zu erreichen ist.

Dies sehen wir oft in Projekten, die Agilität falsch verstanden haben.

Ab wie viel Komplexität fange ich an zu messen und überprüfen?

Der Blindflug kann auch sehr gut gehen. Betrachte es also mit Augenmaß.

Du kannst auch noch einmal in die Teams Folge reinhören. Es gibt Konstellationen in denen ist die Zusammenstellung so perfekt, dass es nicht weiter braucht. Es fühlt sich an wie Tanzen.

Messung ohne Geduld

Was Janina auch oft sieht sind Messungen ohne Geduld. Also Montag messe ich das eine, Dienstag etwas komplett anderes, am Mittwoch schon wieder etwas anderes und am Donnerstag stelle ich fest ich bräuchte die erste Messung eigentlich von jedem Tag.

Es ist eine gewisse Kontinuität nötig beim Messen, damit ich hinterher mit der Messung auch etwas anfangen kann.

Ansonsten bekomme ich einzelne Messwerte und kann nach Monaten keinerlei Aussagen dazu treffen, da es nur kleine Momentaufnahmen waren.

Ich darf also dranbleiben, wenn ich damit anfange. Damit ich das Richtige messe darf ich mir natürlich im Vorfeld Gedanken machen.

Messungen als Waffe

Hier nimmt die Haltung der Menschen eine ganz gefährliche Variante an. Hier reden wir über Performance und Leistungserbringung in Verknechtung.

Dies ist der Grund warum viele Menschen mit Messungen ein ungutes Gefühl haben oder gänzlich dagegen sind. Es kann als Waffe und als Kontrolle für Menschen eingesetzt werden. Diese Menschen zählen dann für die Messung nicht mehr als Individuen und das ist sehr gefährlich.

Viele Messungen sind auch über Teams hinweg nicht vergleichbar, führen daher zu Unmut und Intransparenz. Das wollen wir ja besser. 😉

Klein Anfangen

In der Transparenz Folge haben wir bereits erwähnt, dass es sinnvoll ist klein anzufangen. Fang auch hier klein an und beobachte wie sich Dein Team und Dein Umfeld dazu verhält. Bau Messungen nur aus, wenn Du positives Feedback dazu bekommst.

Wie Messe und überprüfe ich nun?

Damit genau die Messung keine Hürde für Dich wird, setz Dich zu Beginn einmal hin. Sprich vielleicht mit Deinem Team und sammle Ideen. Schau Dir dabei vor allem Deine Ziele an oder die Teamziele. Wo willst Du hin? Wie kannst Du die Erreichung genau dieses Ziels messen? Wenn Du genug Ideen gesammelt hast, dann wähle die für Dich Beste aus. Nun kannst Du auf Deinem Weg zur Zielerreichung messen, Experimente machen und Dich auf Dein Ziel hinbewegen.

Häufig begegnet uns, dass Agilität in Unternehmen eingeführt wird um die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Woher weißt Du nun, dass Deine Mitarbeiterzufriedenheit gestiegen ist? Die Antwort auf diese Frage ist auch die Antwort dessen, was Du Messen und Überprüfen möchtest. Ganz schön tricky was? Du könntest Zufriedenheit messen über ein Happynessscore. Nun schließt sich die Frage an, wie häufig? Einmal im Jahr? Jeden Tag? Mehrmals am Tag? Es könnten ja Umwelteinflüsse Dein Messergebnis verfälschen. Du merkst schon, es lohnt sich im Vorfeld das Thema einmal konzentriert anzugehen.

Und wenn wir mal ehrlich sind, dann brauchen wir die Antwort auf diese Frage nicht nur im modernen Projektmanagement, sondern in jedem Projektmanagement. Jeder gute Coach sollte die Frage stellen “Woher weißt Du, dass Du Dein Ziel erreicht hast?”.

Mach nun eine Messung zu Beginn, damit Du weißt wo Du stehst und auch die Veränderung sehen kannst.

Dreieinhalbschritt

Messungen sind ein Dreieinhalbschritt.

  • Ich lege fest, was ich Messen möchte
  • Ich mache Transparent, was ich gemessen habe
  • Dann spreche ich darüber
  • Nun generieren wir Ideen

jetzt kann ich den Messzyklus wiederholen.

Entkopple die Messen und Überprüfen

Mach die Messung unabhängig von anderen Größen. Beispielsweise entkopple ihre Ergebnisse von Bonussystemen für Mitarbeiter. Dies verfälscht Dir sonst die Ergebnisse.

Zalando sorgt beispielsweise gerade mit ihrem Scoring-System für Aufregung. Dabei sind Gehalt und Aufstiegschancen an die Mitarbeiterbefragungen gekoppelt.

Einen Artikel dazu findest Du beispielsweise hier bei haufe.

Mach die Messung klar und eindeutig

Nicht nur Dir, sondern allen sollte klar sein, was Du misst, Genauso ist es wichtig, dass diese Messung auch eindeutig und nicht groß verfälscht ist. Dies könntest Du auch durch mehr Messpunkte erreichen. Vermisch also nicht mehrere Sachen miteinander, sondern miss nur genau eine einzige Sache je Messung.

Wenig Aufwand

Deine Messung darf wenig Aufwand haben und sollte möglichst automatisiert sein. Es bringt gar nichts, wenn Du viel Energie in Deine Messungen stecken musst und diese vielleicht auch noch andere Mitarbeiter beschäftigen. Auch dürfen die Messergebnisse direkt ohne Umwege an das Management kommuniziert werden. Oft entdecke ich in Konzernen, dass tolle PowerPoint Folien auf jeder Ebene erzeugt werden um die Zahlen nochmals anders darzustellen. Das ist aufwendig und bietet wenig Nutzen. Auch wird das nicht gerade zu einer hohen Akzeptanz der Messung führen.

Vermeide also kaskadierte Messungen. Diese dürfen also auch unabhängig sein.

Deine Zahlen dürfen aktuell sein

Wir möchten wissen wie der Zustand jetzt ist und nicht vor einigen Monaten. Wenn Du Scrum nutzt und sprintest könnten die Zahlen beispielsweise sprintaktuell sein.

Deine Messung darf robust sein

Wenn Du sie häufiger durchführst darfst Du zu den gleichen Ergebnissen kommen. Misst Du beispielsweise die Zufriedenheit darfst Du Dir je nach Ziel sicher sein, dass wenn Du andere Personen fragst, die das gleiche Profil haben (Teilnehmer einer Veranstaltung), dass Du ähnliche Ergebnisse bekommst. Deine Messung darf also auf stabilen Beinen stehen.

Was zur Hölle hat das denn nun mit StoryPoints zu tun?

Wir haben groß eingeleitet, dass wir Dir StoryPoints erst erzählt haben, damit wir nun über das Messen erzählen können. Nun haben wir StoryPoints bisher noch nicht erwähnt. Doch jetzt schließt sich der Kreis. Denn wir (die Znip Academy) bewegt sich ja im Komplexen Bereich zuhause. Wir haben Dir auch erzählt, dass StoryPoints eine gute Größe sind um Komplexität zu schätzen. Und nun möchten wir ja genau im komplexen Bereich besser werden und die Systeme gezielter im Griff haben. Daher bietet es sich an mit StoryPoints, welche ja Komplexität ausdrücken, zu arbeiten. Diese können wir nun messen. Beispielsweise wie viel StoryPoints wir je Zeiteinheit (Sprint) erledigen. Wir sehen daraufhin sehr gut, ob unsere Experimente dazu beitragen, dass wir mehr Komplexität bewältigen oder weniger. Tada!

Hier messen wir also den Fortschritt, den das Projekt auf Ziel hin macht.

Damit könnte ich nun zusätzlich ein ReleaseBurnDown aufbauen. Das erklären wir in einer späteren Folge.

Weiterhin lassen sich auch Durchlaufzeiten ermitteln, die Dir einen Hinweis darauf geben, wie lange neue Aufgaben brauchen könnten.

 

 

Möchtest Du noch mehr, schneller und zielgerichtet von Profis lernen? Dann schau an der Znip Academy vorbei.

Dort findest Du auch den Link zum kostenlosen Zoom Call zur kleinen Scrum Schule mit uns.