Fibonacci

Heute wieder eine Solo-Folge von Henry Schneider über die Fibonacci-Folge. Also einer ganz speziellen Zahlenfolge, die wir im Agilen gern verwenden.

Fibonacci - relativ Schätzen mit exponentieller Unsicherheit - auf einem bunten, gezeichneten SchneckengehäuseDiese ist gekoppelt mit Wahrnehmungspsychologie, wozu Janina Kappelhoff noch gesondert berichten wird. Henry hat da nämlich wenig Ahnung von. 😀

Diese Folge auf YouTube: https://youtu.be/r5xlYZPqPcs

Fibonacci-Folge

Die Fibonacci-Folge wurde von Leonardo Fibonacci 1202 beschrieben oder erfunden. Damals um das Wachstum von Kaninchenpopulationen zu beschreiben. Dies unter der Annahme, dass Kaninchen nicht sterben und entsprechend nach gewisser Zeit geschlechtsreif sind und neue Paare hervorbringen. Seine Folge beschreibt exponentielles Wachstum und findet sich interessanterweise sehr häufig in der Natur wieder. Noch besser, die Quotienten zweier aufeinander folgender Zahlen, nähern sich dem Goldenen Schnitt an, je weiter die Folge fortschreitet.

Die Folge selbst ist recht einfach, es werden aufeinanderfolgende Zahlen addiert und bilden dann die nächste Zahl:

0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, …

Bei der Folge merkst Du schon bis 3 wirkt sie recht normal und ab 5 gehen die Summen der Vorgänger plötzlich exponentiell nach oben.

Übrigens ist auch am 21. November Fibonacci Tag, da ist auch das ganze Internet voll mit vielen weiteren spannenden Informationen über ihn und seine Zahlenfolge.

Was hat das mit Agilität zu tun?

Zunächst einmal hat das nicht so viel miteinander zu tun. Die Fibonacci-Folge wird aber interessant beim Schätzen (Estimation) von User Stories.

Also vor allem im Schätzen von Komplexität zu einer User Story findet die Fibonacci-Folge häufig Anklang in der Agilen Welt.

Wir nutzen sie also zum schätzen von Komplexität? Das machen wir häufig mit dem Verfahren Planning Poker. Funktioniert aber auch mit jedem anderen Verfahren. Henry nimmt gern das Team Estimation. Ähnlich einer Bucket Estimation. Hör gern noch einmal in die Schätzmethoden Folge.

Natürlich kannst Du beim No Estimation bleiben. Die Fibonacci-Folge ist dann eher unrelevant für Dich, da diese in Kombination zwischen Story Points und Schätzen zum Tragen kommt.

So nehmen wir auch Rücksicht auf die Unsicherheiten in einer Schätzung. Wenn zwei Stories ähnlich Komplex sind ist es nicht so sinnvoll sich über die Feinheiten zu unterhalten. Beispielsweise ob nun eine 1 und die andere eine 2 bekommt. In Bereichen, die viel komplexer sind, vielleicht ob eine 13 oder 21, ist es schon sinnvoller hier die Schätzungen miteinander abzugleichen. Daher das exponentielle Wachstum. Je komplexer und unsicherer, desto höher die Zahl.

Am Ende bekommen wir Zahlen und damit auch Mess– und Vergleichskriterien heraus. Ein Traum für einen Zahlenfuchs wie Henry.

Die Magie der Zahlen

Diese ermittelten Zahlen können wir nun als Hilfestellung in das Team zurückfließen lassen. Sowohl über das Schätzen, als auch das Messen. Beispielsweise als Grundlage für die Product Ownerin, wie viel der nächsten Aufgaben das Team wahrscheinlich schaffen wird. Oder wo Aufgaben vielleicht noch sehr unklar sind und im Refinement nachgeschärft werden sollten. Auch für die Entwicklerinnen sind diese Zahlen gute Diskussionsgrundlagen.

Nun können wir über die Abarbeitung die bewältigte Komplexität des Teams messen und daraus die Velocity ableiten. Diese wiederum ist eine super Grundlage um Interventionen oder Experimente im Team zu starten.

Wir haben uns auch schon häufiger genau mit diesen Fibonacci-Zahlen beschäftig, nämlich in der Folge wo es um das Story Points wegstreichen zwischen den Sprints ging.

In der Praxis

Ich nutze es wie gesagt in Schätzterminen mit dem Team oder im Refinement. Meist im Teas Estimation, was sehr an die Bucket Estimation angelehnt ist.

Also das Team schätzt ob zwei Stories relativ zueinander gleich, weniger oder mehr komplex sind. Dann hänge ich diese in Reihenfolge auf und gehe mit ihnen alle zu schätzenden Stories durch. Danach packe ich die Fibonacci Zahlen an die Wand daneben. Zeilenweise eine Zahl nach der anderen. Erst die 1, dann die 2, dann die 3 und nun die 5. Naja eigentlich bestimmt das Team, wo eine Zeile aufhört und die nächste StoryPoint Größe beginnt.

Die Komplexität steigt also an und auch die Schätzung wird ungenauer. Beispielsweise könnte eine geschätzte 13 zwischen 9 und 20 liegen. Deshalb ist diese Folge so toll, da wir uns nicht über einzelne Werte unterhalten müssen und gleich die Unschärfe mit drin haben.

Daher auch immer die Product Ownerin beim Schätzen und allgemein, wenn über User Stories gesprochen wird, dabeihaben. Sie kann direkt Input liefern, Entscheidungen treffen und so zu besser beschriebenen Anforderungen und damit besseren Schätzungen führen.

Planning Poker

Am ehesten wird Dir dies aber beim Planning Poker begegnen. Wir bekommen ein Kartenset und legen alle gleichzeitig verdeckt unsere Schätzung ab. Das Planning Poker Deck enthält auch meist eine angepasste Fibonacci-Folge und Zusatzkarten, wie die Kaffeetasse und das Fragezeichen.

Wie ist das bei Dulliarbeit?

Jetzt gibts häufig direkt die Frage, „Wie ist das bei einer Story, die nicht wirklich komplex ist, sondern wo ich einfach viele Schritte hintereinander stur ausführen muss?“. Nehmen wir als Beispiel die Enter-Taste bei DHL-Paketshops. Wenn ich ein vollständig frankiertes Paket abgegeben, dann scannen sie zwei Mal und dürfen dann gefühlt 15-mal Enter drücken. Keine Ahnung was da für Abfragen kommen und es sieht Stupide aus. Simple oder maximal noch komplizierte Aufgabe, aber nicht komplex.

Haben wir nun 40 Kundinnen in einer Stunde zu bedienen wird die Aufgabe plötzlich komplexer. Durch die vielen verschiedenen Interaktionen, vielleicht vergessen zu frankieren, entstehen nun quasi unberechenbare Szenarien. Wir würden eher eine 55 statt einer 1 vergeben. Und auch jeder Kunde einzeln hätte auch nur eine Komplexität von 1. Die Summe der einzelnen Kundinnen wäre also 40, die Aufgabe selbst aber 55.

Und hier kommen wir auch schon zu einer Lösung für zu komplexe Aufgaben. Wir schneiden sie in kleinere Häppchen, die eher überschaubar sind.

Angepasste Fibonacci Folge

Viele verwenden zum Schätzen lieber die Angepasste Fibonacci Folge oder auch Cohn Folge, nach Mike Cohn benannt, verwenden. Diese geht 0, 0.5, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100. Die späteren Zahlen lassen sich leichter merken und die Abstände sind eindeutiger. Zudem gibt es zwischen 0 und 1 noch eine 0,5. Diese macht das Schätzverfahren leichter.

Fazinierende Natur

Oben habe ich schon erwähnt, dass sich die Fibonacci-Folge immer mehr dem Goldenen Schnitt annähert. Nun ist es zusätzlich so, dass diese Folge auch an vielen weiteren Punkten der Natur vorkommt. Schneckenhäuser zum Beispiel oder Sonnenblumen. So ist es so, dass die Kerne einer Sonnenblume kreisförmig angeordnet sind. Und zwar Kreise im Uhrzeigersinn und gegen den Urzeigersinn. Dabei ist die Anzahl dieser Kreise zwei aufeinanderfolgende Fibonacci Zahlen. Also gehen beispielsweise 13 gegen und 21 mit dem Uhrzeigersinn oder Links und Rechts rum.

Ähnliche Phänomene gibt es bei Blättern von Pflanzen. Auch diese werden im Fibonacci-Muster ausgebildet. Dies sorgt dafür, dass nicht zwei Blätter direkt übereinander ausgebildet werden und sich so das Licht gegenseitig wegnehmen.

Cynefin

Möchtest Du mehr zu den Unterscheidungen zwischen komplex, kompliziert und einfach erfahren, dann höre in unsere Cynefin-Folgen rein.

Cynefin – klar und kompliziert

Cynefin – komplex und chaotisch

 

Get shit done,

Janina & Henry


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Janinas Ultimativer OKR Guide


In der Podcastfolge erwähnte Folgen zur Vertiefung:


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